Der Abschied, der keiner war
Die letzten Tage in meinem alten Zuhause fühlten sich nicht wie ein Abschied an.
Eher wie ein leises Verschwinden. Auf der einen Seite war ich ganz froh, mich nicht in Ruhe von meinem Haus, welches ich 16 Jahre zuvor gekauft hatte, verabschieden zu können. Zu viele Emotionen wären hochgekommen, die bis heute noch nicht verarbeitet werden konnten. Der plötzliche Tod meiner Ma im Klinikum Detmold…mein kleiner geliebter Baci, den ich nach 15 Jahren direkt an meinen Geburtstag gehen lassen musste…und der ebenfalls plötzliche und schreckliche Tod von Lukas, dem Hund meiner verstorbenen Ma erst ein paar Wochen zuvor.

Wochenlang lebte ich nur noch im Chaos. Wie sollte ich da noch klare Gedanken fassen?
Keine Zeit zum Durchatmen
Ich habe wochenlang nonstop damit verbracht das Haus einigermaßen leerzuräumen und immer wieder nebenbei nach Immobilien in Spanien zu suchen. Zuletzt habe ich einfach nur noch Kisten gepackt, Dinge verschenkt, Entscheidungen getroffen, für die ich eigentlich mehr Zeit gebraucht hätte.
Stattdessen waren es Tage. Stunden. Momente.
So ziemlich alles musste ich alleine stemmen. Nicht, weil niemand wollte – sondern weil das Leben manchmal einfach nicht mitspielt. Feiertage, Termine, eigene Themen. Jeder hat sein Päckchen.
Und ich stand mittendrin – zwischen Kartons, Erinnerungen und der Frage, was man wirklich mitnimmt, wenn man geht. Was mache ich mit meiner Siebträger-Espressomaschine und meinem Drucker? Beide leisteten mir jahrelang treue Dienste, hatten aber ihre ersten Alters-Wehwehchen. Einlagern und nachliefern, mit der Gefahr, dass sie durch längeren Nicht-Gebrauch zwischenzeitlich ihren Geist aufgeben? (Gerade der Drucker war da sehr empfindlich und mochte noch nie längeren Stillstand). Oder dalassen und in Spanien neu kaufen, sobald ich richtig angekommen bin? Ich entschied mich schweren Herzens fürs letztere.
Ein komisches Gefühl, wenn dein Leben plötzlich auf mehrere Orte verteilt ist.
Ein kleiner Teil meiner Sachen ist jetzt bei einer Freundin zwischengelagert. Ein sehr großer Teil wurde von einer Entrümpelungsfirma abgeholt, die von den Käufern meines Hauses beauftragt wurde, und verschrottet. So war die Abmachung. Alles, was ich nicht mehr mitnehmen konnte/wollte, sollte ich dalassen.
Darunter waren viele Briefe von früheren Brieffreundschaften aus Frankreich, Spanien und Südafrika. Sehr viele neuwertige Geräte, wie Induktionskochplatten, Mikrowellen, etc. aus den Gästezimmern – selbst für einen Appel und ein Ei wollte sie niemand über Kleinanzeigen haben. Kleinanzeigen war nebenbei bemerkt der größte Zeit- und Energiefresser der Hausräumung. Nun, immerhin die Fotos sind von meinem Bruder im letzten Moment zum Digitalisieren gerettet worden.
Ich habe Dinge abgegeben, von denen ich dachte, ich könnte sie niemals loslassen.
Mein Bett. Ein Haufen Möbel, die mich viele Jahre begleitet haben. Kleinigkeiten mit Geschichte.
Und dann steht man da und merkt: Es geht doch.
Nicht leicht. Aber es geht.

Am Ende blieb keine Zeit für einen richtigen Abschied.
Keine ruhigen Gespräche. Keine klaren Übergänge.
Nur dieses Gefühl von:
Jetzt. Oder nie.
Ich bin noch einmal durch die Gegend gelaufen.
Wollte mich verabschieden.
Aber irgendwie war niemand da.
Also bin ich zurück, habe meine Tiere eingepackt und bin los.
Es war kein Krieg.
Und trotzdem fühlte es sich an, als müsste ich fliehen.
Die ungeschönte Version meiner Abreise findest du übrigens im V.I.P.-Bereich.


